Olga Beifus

Autor: Olga Beifus

Atlassian Consultant bei XALT

Wahrscheinlich kennst du das:

  • In deinem Bereich gibt es eine Adresse wie support@…, info@… oder beschwerde@…
  • Mehrere Mitarbeitende haben Zugriff auf das geteilte Postfach (Shared Mailbox).
  • Jeder „nimmt sich“ Mails heraus, antwortet direkt aus Outlook und ihr hofft, dass nichts untergeht.

In der Praxis sieht es dann oft so aus: E-Mails bleiben liegen, Zuständigkeiten sind unklar, niemand hat den Gesamtüberblick. Und du als Abteilungsleiter oder Head of Operations kannst schwer nachweisen, wie schnell dein Team reagiert, wo es hakt oder welche Themen euch wirklich beschäftigen.2

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du ein geteiltes Postfach an Jira Service Management (JSM) anbinden kannst und dein bisher chaotisches Inbox-Handling in einen klar strukturierten Service-Prozess mit Zuständigkeiten, SLAs und Reporting verwandelst. SLAs (Service Level Agreements) sind eure verbindlichen Vorgaben, wie schnell euer Team auf Anfragen reagiert und bis wann Probleme gelöst sein sollen. Diese Vereinbarungen können gegenüber Kunden gelten, aber auch intern zwischen deiner Abteilung und anderen Bereichen.

Ziel: Du bekommst einen praxisnahen Überblick, ohne tief in technische Details einzusteigen.

Was heute schief läuft: Typische Probleme mit Shared Mailboxes

Geteilte Postfächer sind bequem – und genau das ist das Problem. Sie wachsen einfach mit, ohne dass jemand den Prozess dahinter bewusst gestaltet. Typische Symptome, die wir bei unseren Kunden immer wieder sehen:

  1. Fehlende Transparenz
    Niemand sieht auf einen Blick, wer welche E-Mail bearbeitet. Es gibt keine klare Übersicht, was offen, in Bearbeitung oder erledigt ist.
  2. Unklare Zuständigkeiten
    Mitarbeitende „picken“ sich Mails heraus. Manche Themen bleiben liegen, andere werden doppelt beantwortet. Im schlimmsten Fall fühlt sich niemand verantwortlich.
  3. Keine Statusübersicht
    Weder der Absender noch das Team wissen, in welchem Bearbeitungsstand eine Anfrage steckt. „Hat da schon jemand drauf geantwortet?“ ist die Standardfrage im Team-Chat.
  4. Mangelnde Nachverfolgbarkeit
    Eine ältere Anfrage wiederzufinden oder Bearbeitungszeiten auszuwerten, ist in klassischen E-Mail-Postfächern sehr aufwendig – vor allem, wenn mehrere Personen daran arbeiten. Studien zeigen, dass E-Mail-Überlastung Produktivität und Wohlbefinden deutlich senken kann.
  5. Keine Automatisierung
    Erinnerungen, Eskalationen, SLA-Überwachung, Kundenzufriedenheit – all das muss per Hand umgesetzt werden, im schlimmsten Fall fällt es komplett weg. In vielen Organisationen landen wichtige Service-Anfragen so in einem „schwarzen Loch“.

Gerade wenn deine Abteilung Kunden, Partner oder interne Stakeholder über eine Shared Mailbox betreut, wird aus einem kleinen Komfort-Feature schnell ein operatives Risiko.

Das Risiko für dein Business

Unklare Prozesse und fehlende Transparenz führen zu drei zentralen Risiken:

  1. Niedrige Kundenzufriedenheit durch verspätete oder unbeantwortete Anfragen, mit potenziellem Image- und Umsatzverlust.
  2. Ineffiziente Ressourcennutzung durch erhöhten manuellen Aufwand und fehlende Prozessoptimierung.
  3. SLA- und Compliance-Verstöße infolge unzureichender Nachverfolgbarkeit und verspäteter Bearbeitung.

“Laut Forrester verlieren Unternehmen bis zu 25 % ihrer Effizienz durch fragmentierte Systeme und Silos. Studien zeigen außerdem, dass Mitarbeitende bis zu zwei Stunden täglich mit der Suche nach Informationen verbringen. Zeit, die produktiver genutzt werden könnte.”

Für dich als Leitung heißt das: Du verlierst Steuerbarkeit über zentrale KPIs wie Durchlaufzeiten, Einhaltung von Reaktionszeiten und Auslastung im Team und kannst gegenüber der Geschäftsführung oder dem Vorstand nur schwer belastbar berichten.

Betroffene Kennzahlen:

  • Bearbeitungszeiten
  • First Response Time (Zeit bis zur ersten Antwort)
  • Anzahl offener oder überfälliger Vorgänge
  • SLA-Einhaltungsquote
  • Arbeitsauslastung pro Mitarbeiter

Unsere Lösung: Geteiltes Postfach ins JSM-Ticket-System holen

Mit Jira Service Management (JSM) kannst du deine Shared Mailbox bzw. geteiltes Postfach direkt anbinden. Jede eingehende E-Mail wird automatisch in ein Ticket umgewandelt. So entsteht ein strukturierter Workflow, der Transparenz, Nachverfolgbarkeit und Automatisierung ermöglicht.

Shared Mailbox flow -DE.png

Für die Absender ändert sich dabei fast nichts: Sie schreiben weiterhin an dieselbe E-Mail-Adresse. Im Hintergrund passiert aber etwas völlig anderes:

  • Jede E-Mail an dein geteiltes Postfach erzeugt automatisch ein Ticket in JSM.
  • Der Absender wird zum Reporter, CC-Adressen werden zu Beteiligten an der Anfrage.
  • Dein Team arbeitet nicht mehr in der E-Mail-Inbox, sondern in sogenannten Warteschlangen in JSM.
  • Ein konfigurierter Workflow bildet euren Prozess ab: z. B. Neu → In Bearbeitung → Warten auf Kunde → Erledigt.
  • SLAs, Erinnerungen, Eskalationen und Reporting laufen über JSM, nicht mehr per Bauchgefühl.

Damit verwandelt sich ein unübersichtliches Postfach in eine strukturierte Service-Lösung.

Wenn du JSM bereits für andere Use Cases nutzt (z. B. IT-Support, interne Service Requests in HR oder Finance), kannst du deine bestehende Umgebung clever erweitern.

Was mich an unserer Lösung wirklich begeistert: Alle Informationen, Kommentare und Statusänderungen sind zentral im Ticket sichtbar. Das spart unseren Kunden endlose Abstimmungen und Nachfragen. Durch Automatisierung, etwa Erinnerungen und SLA-Einstellungen, denkt das System gewissermaßen mit und stellt sicher, dass keine Anfrage liegen bleibt.

Olga Beifus, Atlassian Consultant bei XALT

So wird aus dem geteilten Postfach ein transparenter und skalierbarer Service-Prozess

Für die Umsetzung brauchst du in der Regel drei Rollen:

  • Deine Abteilung definiert, wie der Prozess aussehen soll (Zuständigkeiten, SLAs, Eskalationen).
  • IT- oder Atlassian-Admin richtet das JSM-Projekt, den E-Mail-Kanal und Automatisierungen ein.
  • E-Mail-/Microsoft-Admin passt das geteilte Postfach an.

Ein möglicher Standardablauf sieht dann so aus:

  1. E-Mail trifft im geteilten Postfach ein
    Beispiel: beschwerde@organisation.de oder service@verwaltung.de.
  2. Automatische Ticket-Erstellung in JSM
    • JSM wandelt die E-Mail in ein Ticket um (Von = Reporter, CC = Anfragebeteiligte, Betreff wird zur Ticket-Zusammenfassung, E-Mail-Inhalt zur Beschreibung).

E-Mail vs JSM - DE.png
  1. Bearbeitung im Team
    • Alle Mitarbeitenden, die vorher im Postfach gearbeitet haben, sind jetzt Agents in JSM.
    • Statt „ich nehme mir diese Mail“ gibt es ein Board oder eine Queue mit allen offenen Tickets und einem klaren Status wie z.B. Offen, in Bearbeitung, Warten auf Kunde, Geschlossen
  2. Kommunikation aus einem Kanal
    • Antworten an den Kunden werden direkt im Ticket geschrieben.Interne Rückfragen werden als interne Kommentare erfasst – für den Kunden unsichtbar.Kommt eine Antwort des Kunden per E-Mail zurück, erkennt JSM das und hängt diese Antwort automatisch wieder an dasselbe Ticket an.
    Ergebnis: Die gesamte Kommunikation – intern und extern – läuft gesammelt in einem einzigen Ticket ab.
  3. SLAs, Erinnerungen & Automatisierungen
    • Tickets, die zu lange im Status „Offen“ liegen, werden automatisch markiert oder per E-Mail an die zuständigen Agents gemeldet.
    • SLAs können z.B. Reaktionszeit und Lösungszeit definieren
    • Automationen übernehmen Routineaufgaben, z.B.:
      • Wenn ein Ticket auf „Warten auf Kunde“ steht und der Kunde antwortet, springt der Status automatisch zurück auf „In Bearbeitung“.
      • Wenn bestimmte Schlagworte wie „Beschwerde“ im Betreff stehen, wird ein anderer Workflow gewählt.

XALT JSM ticket overview.png
Die Ticketliste, oder die s.g. Warteschlange, zeigt übersichtlich alle offenen Anfragen, Bearbeiter, Status und macht SLA-Verstöße sofort sichtbar: Rote Indikatoren bei „Time to first response“ und „Time to resolution“ zeigen dir auf einen Blick, welche Anfragen die vereinbarten Reaktions- und Lösungszeiten bereits überschritten haben.
XALT JSM SLA settings.png
Die SLA-Einstellungen lassen sich für jedes Team individuell bzw. gemäß den unternehmensweiten Standards anpassen.

Was dein Team davon hat

Warum das für dich wichtig ist: Ein entlastetes, gut informiertes Team arbeitet schneller, macht weniger Fehler und sorgt für zufriedene Kunden. Das spiegelt sich direkt in deinen Kennzahlen wider. Für dein Team, das mit den Anfragen arbeitet, ändert sich der Alltag ziemlich grundlegend – und zwar positiv:

  • Volle Transparenz:
    Auf einen Blick sichtbar: Welche Anfragen sind offen? Wer arbeitet woran? Was wartet auf Rückmeldung von Kunden?
  • Urlaubs- und Krankheitsvertretung werden einfach:
    Statt mühsam fremde Posteingänge zu durchsuchen, reicht ein Blick in die Tickets eines Kollegen, z. B. über vordefinierte Filter oder, optional über eine KI-gestützte Abfrage.
  • Bessere Priorisierung
    Sortierung z.B. nach SLA-Dringlichkeit, Fälligkeiten, Status, Kunde/Absender
  • Messbarkeit & Qualität
    Durch Berichte und Dashboards lässt sich u.a. auswerten: Wie viele Anfragen kommen rein? Wie schnell reagieren wir? Wie oft werden SLAs verletzt? Wie zufrieden waren Kunden mit der Bearbeitung?

XALT JSM Reporting examples.png
Abteilungsleitern steht in Jira Service Management eine Reihe an Standardreports zur Verfügung. Je nach Anforderung können auch benutzerdefinierte Reports definiert werden. So haben Sie die wichtigsten Kennzahlen jederzeit per Knopfdruck verfügbar.
XALT JSM reporting tickets done.png
Der Report „Anfragen erledigt“ zeigt dir auf einen Blick, wie viele Anfragen dein Team im gewählten Zeitraum gelöst hat – und macht transparent, wo ihr bereits effizient arbeitet und wo noch Potenzial für Wissensartikel und Prozessverbesserungen steckt.

Was Kunden und Mitarbeitende davon merken

Für die Kunden muss sich fast nichts ändern, wenn man es nicht möchte.

  • Sie schreiben weiterhin E-Mails an die bekannte Adresse.
  • Sie bekommen weiterhin E-Mails als Antwort.
  • Optional kann man ihnen mehr Transparenz geben, z.B.:
    • Status-Updates („Ihre Anfrage befindet sich in Bearbeitung“),
    • klare Referenzen (Ticket-Nummern),
    • und ggf. sogar Zugriff auf ein Portal, in dem sie alle ihre Anfragen sehen.

Der große Unterschied passiert im Hintergrund im Service-Team.

Von der Einzellösung zur abteilungsübergreifenden Service-Plattform

Für dich als Abteilungs- oder Operationsleiter ist entscheidend: Diese Lösung ist kein einmaliges Projekt für ein einzelnes Postfach, sondern eine Blaupause.

  • Du kannst sie auf andere Abteilungen ausrollen, z.B. HR, Facility Management, Marketing & Kommunikation.
  • Du reduzierst Tool-Wildwuchs und Schattenprozesse (Excel-Listen, private To-do-Tools).
  • Du schaffst eine zentrale Plattform, auf der Prozesse, Tickets und Kennzahlen abteilungsübergreifend zusammenlaufen.

So baust du Schritt für Schritt ein einheitliches Service Management auf, statt fünf verschiedenen Insellösungen hinterherzulaufen.

Fazit: Weg vom E-Mail-Chaos, hin zu steuerbaren Service-Prozessen

  • Geteilte Postfächer sind bei kleinem Volumen und Teams bequem, aber nicht skalierbar: Transparenz, Zuständigkeiten, Nachverfolgbarkeit und Reporting fehlen.
  • Mit Jira Service Management kannst du ein Shared Postfach in einen klar definierten Service-Kanal verwandeln, ohne deine Kunden zu zwingen, neue Portale zu nutzen.
  • Die Schlüssel sind ein bewusst gestalteter Workflow, sauber konfigurierte E-Mail-Kanäle, Queues für Agents sowie SLAs und Reporting für dich als Führungskraft.
  • Einmal etabliert, wird aus einem lästigen „Nebenbei-Postfach“ ein messbarer, automatisierbarer Service-Prozess, der sich auf weitere Abteilungen ausrollen lässt – vom Marketing über HR bis hin zu Vorstandsbüros.

Damit wird aus einer punktuellen Verbesserung für ein einzelnes geteiltes Postfach ein strategischer Schritt hin zu professionellem Service Management über Abteilungsgrenzen hinweg.

Du gewinnst mehr Transparenz, bessere Steuerbarkeit und eine klare Grundlage für zukünftiges Wachstum.

Du möchtest die Lösung für dein geteiltes Postfach einführen?

Wenn du gerade ein oder mehrere geteilte Postfächer verantwortest und das Gefühl hast, dass sich dort wichtige Anfragen „verstecken“, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu gehen.

Sprich mit uns über deine JSM-Einführung
Gemeinsam analysieren wir deine bestehenden geteilten Postfächer (support@, info@, beschwerde@ & Co.) und bewerten,

  • wo heute Risiken und blinde Flecken liegen
  • welche KPIs du mit JSM schnell sichtbar machen kannst
  • und wie eine schrittweise Einführung in deiner Abteilung aussehen kann