Laut Atlassian nutzen mehr als 90 % der Enterprise-Cloud-Kunden Rovo, und im Monat vor der Team ’26 liefen über 14 Millionen Aktionen mit Rovo-Unterstützung. Die Frage ist also selten, ob Rovo im eigenen Atlassian-Abo steckt, sondern was es dort leisten soll. Eine Antwort von Rovo ist nur so gut wie der Kontext, den es erreichen darf – und dieser Kontext hängt an Berechtigungen, angebundenen Apps und gepflegtem Wissen.
Dieser Beitrag erklärt, aus welchen Bausteinen Rovo besteht, was 2026 dazugekommen ist, was Lizenzen und Credits bedeuten und wie du mit einem begrenzten Anwendungsfall startest, statt Rovo einfach für alle einzuschalten.
Die Bausteine von Rovo: Suche, Chat, Agenten und Studio
Atlassian beschreibt Rovo als App, die Informationen in Handlungen übersetzt. Dahinter stehen vier Funktionen, die du einzeln bewerten solltest, weil sie unterschiedliche Fragen an Berechtigungen und Governance stellen:
- Rovo Search: eine Suche über Jira, Confluence und angebundene Apps wie Google Drive, SharePoint, Slack, Figma oder GitHub. Die Treffer berücksichtigen die Berechtigungen der suchenden Person.
- Rovo Chat: Fragen stellen, Ideen entwickeln, Feedback einholen – in Jira, Jira Service Management, Jira Product Discovery, Confluence und über die Browser-Erweiterung auch außerhalb.
- Rovo Agents: KI-gestützte virtuelle Teammitglieder, die Inhalte erstellen und prüfen, Backlogs aufräumen oder Confluence-Seiten ordnen. Jira-Vorgänge oder Seiten ändern sie nur mit Erlaubnis.
- Rovo Studio: der Arbeitsbereich, in dem Teams Agenten, Automatisierungen und Apps bauen und verwalten.

Eine unscheinbare, im Alltag sehr nützliche Funktion sind Definitionen: Rovo erklärt interne Projektnamen und Fachbegriffe direkt im Jira-Vorgang oder auf der Confluence-Seite und nennt die Quelle. Gerade neue Kolleginnen und Kollegen müssen so weniger nachfragen – vorausgesetzt, das Wissen dazu ist irgendwo dokumentiert.

Der Teamwork Graph: woher Rovo seinen Kontext bekommt
Rovo arbeitet auf dem Teamwork Graph, Atlassians Abbild der Arbeit über Teams, Tools, Ziele und Entscheidungen hinweg. Atlassian beziffert ihn auf über 150 Milliarden Verbindungen. Jede Aktion fließt zurück in den Graphen, sodass der Kontext mit der Nutzung wächst. Seit der Team ’26 können auch Agenten von Drittanbietern über neue Werkzeuge im Rovo MCP Server und ein Teamwork-Graph-CLI darauf zugreifen.

Für die Praxis heißt das: Ein Graph macht Zusammenhänge sichtbar, aber keine veralteten Seiten richtig. Wer Rovo einführt, sollte vorher wissen, welche Bereiche gepflegt sind und welche nicht. Was die Team ’26 sonst angekündigt hat, steht in unserem Recap zum Teamwork Graph.
Rovo Chat in Zukunft: Memory, Agenten per @-Erwähnung, geteilte Chats
Im September 2026 hat Atlassian Rovo Chat stärker auf Teamarbeit ausgerichtet. Vier Neuerungen sind für den Alltag relevant:
- Memory-Steuerung: Eine Ansicht zeigt, was Rovo über deine Vorlieben und Arbeit gelernt hat, etwa bevorzugte Zusammenfassungsformate. Du kannst Einträge bearbeiten; Nutzer und Admins können Memory auf Nutzer- und Site-Ebene ein- oder ausschalten.
- Agenten per @-Erwähnung: Ein Agent für Wettbewerbsanalyse oder Launch-Planung bekommt beim Einbinden den bisherigen Gesprächskontext mit.
- Geteilte Chats: Teammitglieder sehen, wie eine Schlussfolgerung entstanden ist, und arbeiten weiter. Sie sehen dabei nur Inhalte, für die sie ohnehin Zugriff haben.
- Custom Skills: Teamabläufe wie ein Sprint-Summary oder eine Bug-Triage werden als wiederverwendbare Skills hinterlegt. Rovo stellt beim Anlegen Rückfragen; Skills entstehen im Chat oder in Rovo Studio.

Memory und geteilte Chats sind praktisch, gehören aber in die Datenschutzbetrachtung: Kläre vor dem Rollout, ob Memory auf Site-Ebene aktiv sein soll.
Rovo Studio: Agenten und Automationen ohne Code
Rovo Studio ist seit der Team ’26 allgemein verfügbar. Teams beschreiben in natürlicher Sprache, was sie brauchen, und Studio stellt Agenten, Automatisierungen und Ansichten zusammen. Auslöser können Ereignisse sein wie ein neuer Mitarbeiter, ein kritischer Incident oder ein Deal, der eine Stufe weiterrückt. Eigene Apps werden als Forge-Apps angelegt und vor der Veröffentlichung in der Vorschau getestet.

Damit verschiebt sich die Frage von „Können wir einen Agenten bauen?“ zu „Wer darf welchen Agenten bauen und freigeben?“. Studio bringt dafür Rollen, Freigaben, Versionierung und Auswertungen mit. Ob ein Fall besser als Forge-App oder als Rovo-Agent gelöst wird, klärt unser Entscheidungsleitfaden Forge-App vs. Rovo-Agent.
Als Nächstes kündigt Atlassian den Max Mode für Rovo Chat an, zunächst im Early Access: Er zerlegt komplexe Anfragen in mehrstufige Pläne, führt sie über Jira, Confluence und Kalender aus und fragt bei Bedarf nach Freigabe. Ein Termin für die allgemeine Verfügbarkeit steht noch nicht fest.
Was Kunden laut Atlassian damit erreichen
Atlassian nennt auf der Team ’26 einige Beispiele. Sie zeigen, wo Rovo heute messbar hilft: bei wiederkehrenden Berichten und Standardfragen.
- Teach for All: Ein Agent erstellt Wochenberichte aus Jira und Google Sheets und kommt auf etwa 60–70 % des fertigen Ergebnisses, bevor ein Mensch nachbessert.
- SpotOn: Ein Vertriebs-Support-Agent in Slack beantwortete 95 % der Fragen im Kanal; die Quote sauber erledigter Anfragen stieg von 40 % auf 53 %.
- Lendi Group: Rovo verbindet Jira, Confluence, JSM, Slack und E-Mail, damit Agenten mit dem vollen Kontext arbeiten.
Lizenzen und Credits: vor dem Rollout prüfen
Wichtig für die Budgetplanung: Zusatznutzung ist laut Atlassian standardmäßig aktiviert. Organisations- und Abrechnungsadmins können sie abschalten oder eine Ausgabengrenze setzen; bei ausgeschalteter Zusatznutzung pausieren creditpflichtige Aktionen nach Verbrauch des Kontingents. Suche, Definitionen und Zusammenfassungen sind kostenlos; einfache Chat-Anfragen verbrauchen 10 Credits, komplexe Anfragen unterschiedlich viele. Details und aktuelle Bedingungen stehen in der Atlassian-Dokumentation zu Rovo-Credits.
Rovo-Credits sind laut Atlassian in allen kostenpflichtigen Cloud-Abos von Jira, Confluence, Service Collection und Teamwork Collection enthalten; eine separate Rovo-Lizenz ist in der Regel nicht nötig. Einschalten lässt sich Rovo nur, wenn der Org-Admin auf einer verifizierten Firmendomain registriert ist – Organisationen mit generischen E-Mail-Domains sind ausgeschlossen. Data-Center-Kunden können einzelne Connectoren nutzen, den vollen Funktionsumfang gibt es nur mit einem passenden Cloud-Abo.
Credits werden für bestimmte KI-Aktionen und angereicherten Kontext verbraucht. Die monatlichen Kontingente richten sich nach Produkt und Tarif und werden auf Organisationsebene zusammengeführt. Ab dem 3. Dezember 2026 soll zusätzliche Nutzung abgerechnet werden. Admins können den Verbrauch überwachen und Zusatznutzung begrenzen oder abschalten. Aktuelle Kontingente stehen in der Atlassian-Dokumentation zu Nutzungslimits.
Governance: was Admins steuern können
Mit der Team ’26 hat Atlassian die Admin-Seite deutlich ausgebaut. Die Einstellungen liegen in den bestehenden Atlassian-Admin-Oberflächen:
- ein organisationsweites Inventar aller Agenten mit Nutzungsauswertung
- getrennte Berechtigungen für KI-Zugriff und für das Bauen von Agenten
- Datenrichtlinien für die Anbindung von Drittanbieter-Daten, Chat-Filter und das Freischalten einzelner Funktionen
- Dashboards und Audit-Logs zu KI-Nutzung und Credit-Verbrauch
- Data Residency und die Wahl des Sprachmodells
Getrennte Rechte für Nutzen und Bauen sind der wichtigste Punkt für größere Organisationen: So können viele Mitarbeitende Rovo verwenden, während nur ein kleiner Kreis Agenten mit Schreibrechten in Jira oder Confluence erstellt.
So startest du mit einem sinnvollen Anwendungsfall
Beginne mit einer konkreten wiederkehrenden Aufgabe. Kläre, wo die nötigen Informationen liegen, ob Rovo sie über angebundene Quellen erreichen darf und woran das Team einen hilfreichen Output erkennt. Lege anschließend fest, welche Schritte der Agent selbst ausführen kann und wo ein Mensch prüfen oder freigeben muss.
Diese Checkliste hilft vor dem Pilot:
- Ein Anwendungsfall mit klarer Messgröße ist gewählt, etwa Zeit pro Wochenbericht oder Anteil beantworteter Standardfragen.
- Die Wissensquellen sind benannt und aktuell; veraltete Bereiche sind archiviert oder ausgeschlossen.
- Die Connectors zu Drittanbieter-Apps sind eingerichtet und die Berechtigungen stichprobenartig geprüft.
- Es ist entschieden, ob Memory auf Site-Ebene aktiv ist.
- Es ist festgelegt, wer Agenten bauen darf und wer sie freigibt.
- Das Credit-Kontingent und die Regel für Zusatznutzung sind mit dem Budget abgestimmt.
- Eine kleine Pilotgruppe testet mit echten Beispielen und meldet Fehler und Ausnahmen.
Prüfe im Pilot Antwortqualität, Quellenbezug, Berechtigungen und Ausnahmen – nicht nur die Zeitersparnis. Passe Wissensquellen und Agentenverhalten an, bevor du den Einsatz ausweitest. Wie ein zugeschnittener Agent im Support aussieht, zeigt unser Beitrag zu Rovo-Agenten für effizienteren Support.
Rovo macht verknüpftes Wissen zugänglicher, ersetzt aber keine Governance. Wer Datenzugriff, Verantwortlichkeiten und Erfolgskriterien vorher festlegt, bekommt aus dem Pilot belastbare Zahlen statt eines Gefühls.



